Sicherheitsbestimmungen für den Umgang mit Düngemitteln

Aufgrund neuer chemischer Erkenntnisse und neuer gesetzlicher Vorschriften zum Umgang mit Chemikalien werden Phosphatdüngemittel mit Ammoniumnitrat und anderen Bestandteilen möglicherweise neu eingestuft. Solche Produkte können als Gefahr für den Menschen und auch für die Umwelt klassifiziert werden.

Im Laufe der Jahre waren ammoniumnitrathaltige Düngemittel an etlichen Unfällen beteiligt, woraufhin die gesetzliche Vorschriften in Bezug auf Transport, Lagerung und Umgang mit diesen Substanzen angepasst wurden. Der chemische Zerfall während des Transports und bei der Lagerung führten zur Freisetzung giftiger Gase und gefährlichen Situationen.03.1 BILD Sicherheit (Vorderseite)

Die Vereinten Nationen entwickelten das Global Harmonisierte System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS). Die GHS-Verordnung ist hinsichtlich Prüfmethoden und Erkennung von Gefahren auf die UN-Empfehlungen zur Beförderung gefährlicher Güter - Modellregulierungen abgestimmt. Europa hat eine europäische Version des GHS implementiert und die GHS-Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen erlassen.

Die internationalen UN-Empfehlungen zum Transport gefährlicher Güter (www.unece.org/trans/danger/danger.html) wurden in internationalen Rechtsvorschriften zum Düngemitteltransport von der IMO (Schiffstransport), ADR (Straßentransport), RID (Schienentransport), ADN(R) (Lastkähne) und IATA (Lufttransport) umgesetzt. Für die Lagerung von Düngemitteln gelten internationale Vorschriften und landesweite Gesetzgebungen. Die SEVESO-Richtlinie ist ein Leitfaden zur Lagerung/Risikobewertung von Gefahrstoffen in der EU.

Düngemittelsicherheit nach Produktart

Reines Ammoniumnitrat (Düngemittel mit hohem Nitratgehalt)

AN 33.5 wurde von der UN auf Grund seines hohen Ammoniumnitratgehaltes als Oxidationsmittel der Klasse 5.1 klassifiziert. Nationale Gesetzgebungen schreiben besondere Regelungen für die Lagerung vor. Ammoniumnitrathaltige Yara Düngemittel bestehen die Prüfung auf Detonationsfähigkeit und sind nicht zur detonativen Umsetzung fähig. Bei einem Brand schmelzen die Düngemittelsäcke, was aber eine nur geringfügige Auswirkung auf das Feuer hat.

Handhabung von verschütteten und zu entsorgenden ammoniumnitrathaltigen Substanzen

Von Förderbändern oder aus Säcken verstreutes Düngemittel ist zügig aufzunehmen und kann als normales Produkt gehandhabt und verkauft werden, wenn es keine Verunreinigungen enthält und die gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen für Düngemittel erfüllt.15 BILD Düngemittelsäcke Wenn dies nicht der Fall ist, muss das Material aufgelöst oder inertisiert (reaktionsträge gemacht) werden. Bei starken Verunreinigungen muss das Produkt als Abfall behandelt werden; gefährliches Material ist entsprechend den geltenden gesetzlichen Vorschriften zu handhaben.

Neben der europäischen GHS-Verordnung wird die Lagerung von ammoniumnitrathaltigen Düngemitteln auch von der COMAH-Richtlinie (Seveso) gesetzlich geregelt. In einigen europäischen Ländern wie Deutschland und Frankreich gelten zusätzliche nationale gesetzliche Bestimmungen (Deutschland: „TRGS 511“, Frankreich: „Code de l'environment“) zur Kontrolle der Lagerung dieser Produkte. Diese nationalen gesetzlichen Vorschriften werden immer häufiger und sind jeweils vor Ort zu prüfen.

Ammoniumnitrat in NPK-Düngemitteln

Ammoniumnitrathaltige NPK-Düngemittel (Volldünger) können sich bei höheren Temperaturen zersetzen. Exotherme Reaktionen führen nach einer kurzen Anfangsperiode mit sinkendem pH-Wert zu Wärme- und Gasentwicklung aus dem Düngemittel. Die Zersetzungsgeschwindigkeit beschleunigt sich bei Vorhandensein von Chloriden, organischen Substanzen und bestimmten Metallionen, insbesondere Kupfer (Cu 2+ ). Phosphat, kohlenstoffhaltige Substanzen und hohe pH-Werte verzögern die Zersetzung.

Einige ammoniumnitrathaltige NPK-Düngemittel weisen Merkmale einer selbstunterhaltenden Zersetzung auf. Eine solche selbstunterhaltende Zersetzung kann bei bestimmten Düngemitteln im Laufe der Zeit durch unbeabsichtiges Erwärmen (> 120 °C) eintreten. Die Zersetzung geht auch nach Beseitigung der Wärmequelle weiter und kann nur sehr schwer gestoppt werden. Die Zersetzung selbst ist normalerweise nicht gefährlich, freigesetzte Gase enthalten jedoch toxische Bestandteile (z. B. Cl2, HCl, NOx).

Calciumnitrat-Dünger

Calciumnitrat-Dünger enthält ca. 15 % Kristallwasser, das die oxidationsfördernden Eigenschaften des Stoffes minimiert. Düngemittel auf der Grundlage von Salpetersäure/Ammoniak/Calcium werden in der GHS-Verordnung als „akut toxisch (4 H302.) sowie Schäden und Reizungen an Augen verursachend (H318)“ klassifiziert. Die Produktverpackungen sind gemäß den geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu Chemikalien beschriftet. Bisher traten mit Calciumnitrat-Dünger noch keine schweren Unfälle auf.

Harnstoff-Produkte

Harnstoff-Produkte sind nach der EU-Verordnung Nr. 1272/2008 (GHS) und den UN-Transportvorschriften nicht als Gefahrstoffe klassifiziert, sind aber trotzdem potenziell gefährlich, da sie bei starker Hitze Ammoniak freisetzen können. Harnstoff darf nicht mit anderen Chemikalien vermischt werden. Mischen mit Salpetersäure kann besonders gefährlich sein.

Verhindern von Düngemittelmissbrauch

Gebäude und Flächen zur Lagerung bzw. zum Umschlag von Düngemitteln sind ordnungsgemäß zu sichern, sodass unbefugte Personen keinen Zutritt haben. Düngemittel, die Ammoniumnitrat oder andere Nitrate enthalten, können für die Herstellung von Sprengstoff verwendet werden, der bereits weltweit bei mehreren Terroranschlägen eingesetzt wurde.13.1 BILD Schloss Die Verfügbarkeit solcher Produkte ist daher gesetzlich streng geregelt und eingeschränkt. Mineraldünger, der 16 % Ammoniumnitrat oder mehr enthält, ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nur Landwirte und andere gewerbliche Nutzer dürfen solche Produkte erwerben. ( EU-Verordnung 1907/2006, REACH)

Eine einfache Faustregel ist: beträgt der Nitrat-Stickstoff-Gehalt (NO3-N) und die Konzentration von Ammoniak-Stickstoff (NH4-N) 8% oder mehr, enthält das Produkt über 16 % Stickstoff in Form von Ammoniumnitrat.

Einfache Ratschläge zur Kriminalitätsverhütung:
• Mineraldünger stets in abgeschlossenen Räumen aufbewahren
• Mineraldünger, der im Freien gelagert werden muss, abdecken
• Mineraldüngerbestand regelmäßig prüfen, sodass Diebstahl schnell erkannt wird.

Düngemittel niemals an Personen verkaufen, von denen Sie nicht sicher sind, ob sie es professionell und zweckgemäß einsetzen.